Vergessene Nutzpflanzen: Die Brunnenkresse

Brunnenkresse

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Die Brunnenkresse war als Speisepflanze bereits den Griechen und Römern bekannt. Bei Erfurt wurde sie seit dem 17. Jahrhundert in einem aus mehreren Wassergräben bestehenden Anbausystem kultiviert. Aber auch an Quellen und anderen Wasserstellen kann man sie finden. Will man sie als Salat oder Gemüse verzehren, sollte man allerdings darauf achten, sie aus fließendem und sauberem Wasser zu ernten.

Botanik: Verwandt mit Kohl und Rüben

Die Echte Brunnenkresse gehört zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae oder Cruciferae) und ist damit eine enge Verwandte unserer Kohl- und Rübenarten, aber auch von Meerrettich und Senf. Ein anderer Name der eher unscheinbaren Pflanze ist Wasserkresse – wachsen ihre bis zu 90 Zentimeter lang werdenden Stängel doch vollständig unter Wasser. Die kleinen Laubblättchen an der Wasseroberfläche sind dunkelgrün und gefiedert – und grün sind sie auch im Winter, denn die Brunnenkresse ist eine ausdauernde Pflanze. Ende Mai bis Anfang Juni öffnen sich die kleinen weißen Blüten der Pflanze. Ihre Früchte reifen von September bis Oktober. Ihre bis zu 20 Millimeter langen Schötchen enthalten bis zu 60 Samen.

Bewohner des fließenden Wassers

Wie ihr aus dem Mittelhochdeutschen abgeleiteter Name (brunne – Quelle, fließendes Wasser) bereits vermuten lässt, findet sich die Brunnenkresse ausschließlich in Gewässern. Ihre Schoten streuen über den Wind, und ihre kleinen Samen haften sich im Wasser auch an das Gefieder von Wasservögeln. Die Echte Brunnenkresse war ursprünglich in Europa, Nordafrika und Asien beheimatet. Jedoch hat sie sich inzwischen fast weltweit in neuen Gebieten etabliert. Da sie nährstoffreiche und insbesondere fließende Gewässer in halbschattiger bis sonniger Lage bevorzugt, findet sie sich hauptsächlich an Bächen, Teichen und auch Quellen – kühles Wasser mit schnellem Fluss. Sinkt die Temperatur unter 7 °C, kommt ihr Wachstum zum Stillstand. Allerdings wurde die Pflanze auch in den rund 40 °C warmen Thermalquellen des Yellowstone-Nationalparks beobachtet.

Gemüse oder Medizin?

Schon die alten Griechen und Römer haben ihre Speisen mit Brunnenkresse veredelt. Allerdings kultivierten sie die Pflanze nicht, sondern ernteten sie dort, wo sie natürlich wuchs. Etwa ab dem 17. Jahrhundert wurde Brunnenkresse wegen ihres Vitamin-C-Gehalts als probates Mittel gegen die Seefahrerkrankheit Skorbut empfohlen. Das stellte sich allerdings bald als nicht praktikabel heraus. Denn die Pflanze hält sich nach der Ernte nicht lange und verliert in getrocknetem Zustand einen Großteil der Vitamine. Als Heilpflanze verwendet, werden ihr aphrodisierende, appetitanregende, stoffwechselfördernde und harntreibende Eigenschaften nachgesagt. Auch für die Entschlackung innerer Organe und zur Behandlung von Diabetes und Rheuma wird sie empfohlen. Und schließlich ist die Brunnenkresse natürlich auch noch eine schmackhafte Beigabe zu Salaten und Suppen oder als Garnierung von Fleischgerichten und Sandwiches.

Anbau: Spezialität des Erfurter Raums

Da die Pflanze bevorzugt in fließendem Gewässer gedeiht, wird sie gerne in Karstgebieten mit vielen sauberen Quellen angebaut. Quellwasser bietet mit seinen Temperaturen von etwa 10 °C ideale Bedingungen. Doch fühlt sich die Pflanze auch in wärmeren Gewässern mit guter Wasserversorgung wohl. Anbauflächen werden weltweit an vielen Orten kultiviert, so auch in den meisten Ländern Europas. In England, wo die Brunnenkresse wichtiger Bestandteil der gehobenen Küche ist, wird sie in hohen Mengen angebaut und geerntet. In Deutschland finden sich Kressekulturen insbesondere im Raum Erfurt, wo die Pflanze seit dem 18. Jahrhundert in speziell angelegten Wassergräben kultiviert wird. Zwar wurde der Anbau von Brunnenkresse im 20. Jahrhundert wegen der zunehmenden Verschmutzung von Oberflächengewässern stark reduziert, doch erlebt die alte Nutzpflanze seit den 90er-Jahren eine Renaissance.

Zu beachten

Echte Brunnenkresse hat einen belebenden, etwas schärferen Geschmack. Frisch geerntet schmeckt die Pflanze am besten und eignet sich als Speisezutat wie auch ganz rustikal als Garnitur auf einem einfachen Butterbrot. Da ihr natürlicher Lebensraum sehr feucht ist, hält sich sich maximal einen Tag und sollte rasch verzehrt werden. Als getrocknetes Gewürz ist Brunnenkresse nicht zu gebrauchen, da sie dann relativ geschmacklos wird. Wenn Sie selbst Brunnenkresse pflücken möchten, achten Sie darauf, dass Sie sie nur aus einem klaren, fließenden Gewässer nehmen. Werden dort Nutztiere gehalten, könnte die Pflanze durch deren Ausscheidungen bakteriell belastet sein. Sie können Brunnenkresse von September bis Mai ernten. Blüht sie erst einmal, ist sie nicht mehr zum Verzehr geeignet.

Info-Box: Das gesundeste Gemüse überhaupt?

Im Jahr 2014 untersuchten Wissenschaftler der William Patterson University in New Jersey knapp 50 Gemüse- und Obstsorten. Ziel war es zu prüfen, ob und in welchem Maße die ihnen nachgesagte positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit zutrifft. Ein besonderes Augenmerk richteten die Forscher auf die prozentuale Menge von essenziellen Nährstoffen, deren Anteil sie im Obst und Gemüse untersuchten. Dazu prüften sie neben den Ballaststoffen unter anderem die Vitamine A, B6, B12, C, D, E und K sowie Kalium, Kalzium, Eisen, Riboflavin und Zink. Es war auch für die Wissenschaftler eine Überraschung, dass die Brunnenkresse als klarer Sieger hervortrat. Sie enthält tatsächlich die meisten Nährstoffe, und das in einer großen Bandbreite.

Hinweis: Die genannte Studie der William Patterson University findet sich hier: https://www.cdc.gov/pcd/issues/2014/13_0390.htm